Vom Cineast zum Online Video Producer

Jim Jarmusch, Jean-Pierre Melville, Stanley Kubrick, Wong Kar Wai. Das Kino war mein Leben. Diese Männer meine Götter. Schon als Teenager gab es keinen Zweifel: Ich musste Filmemacher werden. Es gab keine andere Option.

In Deutschland ist das klassische Filmstudium zu kompliziert. Die guten Filmhochschulen nehmen einen erst mit Mitte 20 auf. Viel zu spät. Ich wollte keine Zeit verlieren, also ging es direkt nach dem Abitur 2007 zum Filmstudium in die USA - für mich damals (wie für viele Andere) die Wiege des Kinos. Es ging für drei Jahre ans Columbia College in Chicago. Kurse in Drehbuch, Regie, Schnitt, Animation, Set Design, Kamera. Das volle Program. Super intensive Zeit, viel gesehen, viel gelernt, viel gemacht.

Nach dem Studium zurück in Deutschland. Drehbuchschreiben war angesagt. Der eigene Kinofilm sollte schließlich realisiert werden. Mit Werbung und noch schlimmer Imagefilmen wollte ich nie etwas zu tun haben! Für mich sollte es direkt das große Kino sein.

Aber, aber, wie wir alle wissen ist das Leben kein Wunschkonzert. Fördermittel für Filme sind begrenzt - für einen 24 jährigen Traumtänzer sowieso. Also musste ich in den sauren Apfel beissenund erstmal ein paar Unternehmensfilme produzieren, um genug Geld zu verdienen, das dann in meinen Kinofilm gesteckt werden könnte. So der Plan zumindest…

In den nächsten 5 Jahren ist der Markt für Onlinevideos explodiert. Unternehmen und Organisationen begannen mehr und mehr in Ihrer Onlinekommunikation auf Bewegtbild zu setzen. Der Videohype bedeutete für mich Aufträge en masse. Stand heute, Mai 2017, blicke ich auf über 140 realisierte Videos zurück und muss feststellen, dass sich mein Fokus komplett verlagert hat. Was mir in meinem jugendlichen Übermut noch zu kommerziell und umkreativ erschien, und anfangs nur lästiges Mittel zum Zweck, hat sich zu einer neuen Leidenschaft entwickelt. Die Arbeit an Onlinevideos für die unterschiedlichstenAuftraggeber ist viel anspruchsvoller und sinn-stiftender als gedacht. Was mich an dieser Arbeit am meisten begeistert ist die Vielseitigkeit.

Genau wie in meinem Studium, wo ich in sämtliche Disziplinen des Filmemachens eingetaucht bin, mache ich heute im Grunde alles was dazu gehört. Ich lerne über neue Unternehmen, recherchiere unbekannte Themen undschreibe Konzepte und Drehbücher, drehe, schneide, animiere, mische Sound, und verstehe mittlerweile auch Grundlagen des Marketing und der Unternehmenskommunikation. Kreative und effektive Kommunikation durch Bewegtbild ist eine komplexe und fordernde Angelegenheit. Ich liebe es mittlerweile.

Auch wenn das Thema Kinofilm immer noch auf dem Horizont ist, muss ich sagen, dass ich sehr froh über die Entwicklung bin. Mein Blick auf die Welt war zu eingeschränkt, nur auf ein Thema fixiert. Durch die Abwechslung der Herausforderungen und den Kontakt zu den verschiedensten Persönlichkeiten hat sich meine Perspektive auf die Welt erweitert. Ich blicke voller Zuversicht in die Zukunft, wer weiß schon was sie bringen mag und was mich in 3 Jahren begeistern wird, eins ist ziemlich sicher, bewegte Bilder werden eine Rolle spielen.